NBA Draft 2019 Preview – University of Duke Edition

14. Dezember – wir befinden uns praktisch schon beinahe mitten in der heurigen Basketball-Saison und das gilt natürlich nicht nur für die NBA. Auch die College-Season ist schon in vollem Gang und die ersten Teams dürfen langsam aber doch in Richtung des anstehenden NCAA-Finalturnier im März schielen. Heute nehmen wir uns Zeit, den Kader des Duke Colleges, das bereits vor Beginn der Saison in aller Munde gewesen war, einmal zum ersten Mal diese Saison genauer unter die Lupe zu nehmen.

Das legendäre Basketballprogramm der Universität aus North Carolina, das das saisonabschließende NCAA-Turnier zuletzt 1995 verpasst hatte, galt schon vor Saisonbeginn als einer der großen Favoriten auf den diesjährigen Titel. Umso beeindruckender wird diese Tatsache noch, wenn man sich vor Augen hält, dass vier der fünf ernannten Starter noch Rookies, also Spieler ohne jegliche Erfahrung auf Collegeniveau, waren und außerdem nur in Trainings und Scrimmages vor dem Start der Saison zusammengespielt haben. Warum ist dann die Erwartungshaltung aber so immens hoch?

Ein Blick auf die „ESPN Top 100 Basketball Prospects of 2018“ gibt einem dann jedoch relativ schnell eine Antwort auf diese berechtigte Frage: Mit RJ Barrett (SG), Zion Williamson (PF) und Cameron Reddish (SF) entschieden sich alle drei der letztjährigen Top 3 der eben erwähnten Auswahl für dasselbe College. Hinzu gesellte sich noch der auf Nummer 17 gereihte Point Guard Tre Jones, jüngerer Bruder von Timberwolves-Guard Tyus Jones, und das Starting Line-Up ist beinahe komplett.

Mit einem Saisonstart von 9 Siegen zu einer Niederlage konnten die hohen Erwartungen der Scouts, Spieler und auch Fans auch gleich auf Anhieb erfüllt werden. Vor allem der deutliche Sieg im ersten Spiel gegen die ebenfalls mit enorm viel Talent gespickten University of Kentucky ließ viele schon von viel mehr träumen. Dazu kam noch der prestigeträchtige Erfolg gegen den direkten Big 10 Rivalen University of Indiana, für die unter anderem die letztjährige Nummer 5 der Top 100, Romeo Langford, aufläuft.

Getrübt wurde die aufkommende Euphorie lediglich von der knappen Niederlage im Maui Invitational Tournament gegen Gonzaga. Gerade in diesem Spiel machte sich vor allem die fehlende Routine und Abgeklärtheit der Rookies, die für einen Turniersieg im Endeffekt unausweichlich ist, stark bemerkbar. Nichtsdestotrotz ließ sich das von Mike Krzyzewski betreute Team, der sich mit Duke im Übrigen in seiner 39. Saison befindet, von der Niederlage, die auch einen drastischen Fall im College-Ranking zur Folge hatte, nicht beirren: Die darauffolgenden 4 Spiele konnten allesamt klar und deutlich für sich entschieden werden.

Nun wird es aber Zeit, die Protagonisten, vor allem in Hinblick auf den Draft 2019, ein erstes Mal einer Analyse zu unterziehen:

  1. RJ Barrett (SG, SF)

Der Kanadier RJ Barrett war 2018 der beste High School Basketballer der ganzen USA und das zu Recht. Es gibt bis dato keinen Aspekt in puncto Basketball, den RJ Barrett nicht überdurchschnittlich Spieltag für Spieltag abruft. Der 2.00m großgewachsene Small Forward vereint eine extrem geschmeidige Spielweise mit eiskaltem Scoring und einem unglaublichen Selbstbewusstsein. Barrett entpuppt sich langsam aber doch zum Leithammel der überdurchschnittlich jungen Mannschaft und ist mittlerweile der „Primary Scorer“ der Duke Blue Devils mit durchschnittlich 25 Punkten pro Spiel. Auch wenn seine Defensivarbeit noch ausbaufähig ist und er manchmal etwas Explosivität nahe dem Korb vermissen lässt, ist er für mich zum derzeitigen Stand dennoch der beste Spieler, den Duke in seinen Reihen hat und wohl dann auch als potenzieller erster Pick im nächstjährigen Draft anzusehen. Des Weiteren machte es sich bei der knappen Niederlage gegen Gonzaga ersichtlich, dass der Kanadier vielleicht noch etwas an seiner Fähigkeit, Spiele in der „Crunch Time“ zu entscheiden, arbeiten muss. Dass er eine Mannschaft allerdings auch im Alleingang zu einem Sieg tragen kann, stellte er im August 2017 mit der U19 Kanadas gegen die USA unter Beweis. Bei dem 99-87 steuerte der Ausnahmekönner satte 38 Punkte bei und demütigte heutige NBA Profis wie Josh Okogie, Kevin Huerter und seinen heutigen Teamkollegen Cam Reddish.

  1. Zion Williamson (PF)

Ja, ich gehöre tatsächlich zu den Menschen, die nicht der Meinung sind, dass Zion Williamson der beste Spieler der Blue Devils ist. Eines ist aber gewiss, Zion ist mit Abstand der populärste Collegespieler, den es seit langem gegeben hat. Denn ganz ehrlich, wer hat sie denn nicht gesehen, die zahlreichen Videos, die mit nicht von dieser Welt stammenden Aufwärm- sowie In-Game-Dunks gespickt sind. Auch der PF, der mit 1,98 sogar kleiner als Barrett und Reddish ist, ist natürlich maßgeblich am Erfolg seiner Universität beteiligt. Mit 20 Punkten, 9 Rebounds und einer unglaublichen Field-Goal-Percentage von 66,1% über 10 Spiele macht Williamson reichlich Werbung in eigener Sache. Kaum ein anderer Spieler, sei es Universitätsathlet oder Profi vereint solch eine beachtenswerte (Muskel-)Masse mit so einer atemberaubenden Athletik, die seine fehlenden Zentimeter für die Idealgröße eines Power Forward locker kompensiert. Darüber hinaus verfügt Williamson über ein sehr gutes Auge für die Mitspieler und hat auch die Fähigkeit, sich im 1 gegen 1, auch mithilfe seines wuchtigen Körpers, durchzusetzen. Problematisch wird es für den 18 Jährigen allerdings in Sachen Dreierwurf (18%) und bei der Verteidigung von größer gewachsenen Spielern. Nichtsdestotrotz gilt Zion Williamson als eine der heißesten Aktien für den Draft und hat natürlich auch die Möglichkeit, an erster Stelle gewählt zu werden.

  1. Cameron Reddish (SF,SG)

Auch der dritte Rookie im Bunde ist ein nicht unwesentlicher Bestandteil des Erfolgs der Duke University. Cameron Reddish ist ein begnadeter Flügelspieler, der bei dem mit Starpower besetzten Team schon fast ein wenig untergeht. Der 2.03m großgewachsene 19 Jährige aus Pennsylvania besticht insbesondere durch seine Körperbeherrschung, einer herausragenden Athletik und cleverer Verteidigung. Sein Wurf ist überdurchschnittlich gut, jedoch leidet Reddish des Öfteren unter Inkonstanz, vor allem von hinter der Dreierlinie. Allerdings muss man hinzufügen, dass sich der 19 Jährige schon sehr gut in seine Rolle als 3.Option in der Scoring-Hierarchie eingefügt hat und mit 14,5 Punkten pro Spiel auch eine essentielle Rolle im System von „Coach K“ spielt. Wenn Reddish es schafft, seinen Wurf konstanter zu versenken und auch etwas an seiner Gesamteffizienz verbessert, ist es sogar möglich, dass er an dritter Stelle gezogen werden könnte und damit einen möglichen Hattrick für Duke sicherstellen könnte. Allerdings gibt es selbstverständlich auch den ein oder anderen Prospect von anderen Sportprogrammen, zum Beispiel ein gewisser Nassir Little von North Carolina oder Bol Bol von Oregon, die hier etwas dagegen haben könnte.

  1. Tre Jones (PG)

Tre Jones ist so etwas wie ein stilles „Linking Piece“, also ein Spieler, der sich weniger durch seine Punkte oder andere Statistiken definiert, sondern sich gänzlich in den Dienst der Mannschaft stellt und diese zusammenhält. Der 1.88m große Point Guard war genau das letzte Puzzleteil, das Trainer Mike Krzyzewski für ein funktionierendes Line-Up benötigte: Ein selbstloser, talentierter Ballverteiler, der die Mannschaft lenkt und sich und seine Mitspieler gleichermaßen in das Offensivspiel einbaut. Trotz alledem schafft es der Bruder von Tyus Jones pro Spiel auf 9 Punkte bei einer soliden Wurf-Percentage von 50%. Auch seine 1,8 Steals pro Spiel sind extrem wertvoll für das Team. Hier bleibt jedoch auch noch abzuwarten, ob Tre Jones sich so wie seine zuvor erwähnten Mitspieler vorstellen kann, nach dem Ende dieser Saison den Sprung in die NBA zu wagen. Anders als bei seinen Teamkollegen ist der Point Guard nämlich bei weitem nicht der beste Spieler seines Jahrgangs auf dieser Position. Trotzdem würde Jones, sollte er doch den Sprung wagen, aller Wahrscheinlichkeit nach noch in der ersten Runde gedraftet werden.

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