Ein Contender im Übergangsjahr – Die Spurs Preview 2017/18

Das San Antonio Spurs Season Preview 2017/2018

Still und heimlich. Unbemerkt und schnörkellos. So spazierten die San Antonio Spurs in gewohnter Manier durch die vergangene Regular Season.  Am Ende standen 61 Siege auf der Habenseite. Die Experten hatten sie mal wieder nicht auf dem Radar. In den Western Conference Finals musste man schlussendlich der Übermacht aus Oakland und dem eigenen Verletzungspech Tribut zollen. Nach der Verletzung von Superstar Kawhi Leonard machten die Warriors kurzen Prozess mit der erfolgsverwöhnten Franchise aus Texas.

 

Die Offseason 

Deals:

+ Patty Mills (4 Jahre/50 Mio.), Pau Gasol (3 Jahre/48 Mio.), Rudy Gay (2 Jahre/17 Mio.), Joffrey Lauvergne (2 Jahre), Derrick White (Draft), Brandon Paul (2 Jahre/2,2 Mio.), Manu Ginobili (1 Jahr/2,3 Mio.)

– Jonathan Simmons (Orlando Magic), Dewayne Dedmon (Atlanta Hawks)

Den Ruf als Langweiler der NBA wurden die San Antonio Spurs in dieser Offseason mal wieder mehr als gerecht. Die Vermutung, dass sich die Spurs einen dicken Free Agent Fisch angeln, wurde nicht erfüllt. Chris Paul spielt fortan zwar in Texas, jedoch nicht in San Antonio. Auch die Gerüchte um Derrick Rose oder gar ein möglicher Trade für den ehemaligen Cavalier Kyrie Irving bestätigten sich nicht. Ganz im Gegenteil, an der weaken Point Guard Situation änderte sich wenig bis gar nichts. Mit Derrick White zog man im Draft an No.29 zwar einen Point Guard, doch der Rookie wird keine große Rolle spielen in seiner ersten Saison. Patty Mills Vertrag wurde zu sehr fairen Konditionen verlängert, dieser Schritt war angesichts der Parker Verletzung allerdings auch ein Muss.

Der größte Offseason Move der Spurs hört auf den Namen Rudy Gay. Der 31-jährige ist ein hervorragender Iso-Scorer und legt in seiner bisherigen Karriere 18 Punkte pro Spiel auf. Gay weiß, wo der Korb steht und wie er zu Punkten kommt. Jedoch stellt dieses Signing ein hohes Risiko dar. Der Small Forward spielte gerade mal 30 Spiele in der vergangenen Saison, ehe er sich einen Riss der Achillessehne zuzog. Zahlt sich das Gambling aus, haben die Spurs jedoch eine weitere potente Waffe in der Offense dazugewonnen und können endlich auf kleinere Lineups mit Gay auf der Power Forward Position umstellen.

Neben kleineren Moves (Joffrey Lauvergne, Brandon Paul) überzeugten die Spurs Manu Ginobili für eine weitere Saison zu unterschreiben. Der 40-jährige stellte in den Playoffs seine weiterhin wichtige Präsenz unter Beweis. Kritisch betrachten muss man das neue Pau Gasol Papier. Der Spanier ließ seine Player Option verstreichen und bekam dafür einen satten 3-Jahres Vertrag für insgesamt 48 Mio. Eine Menge Geld (und Laufzeit) für einen 37-jährigen, der bei all seiner Vielseitigkeit inklusive hohen Basketball IQ doch seine bekannten Mankos mitbringt, die im Alter nicht weniger werden.

Überraschend nicht einigen konnte sich die Franchise aus Texas mit Jonathan Simmons. Der selbstbewusste Senkrechtstarter überzeugte in der Postseason und übernahm immer mehr Verantwortung. Der athletische Wing unterschrieb bei den Orlando Magic. Mit Center Backup Dewayne Dedmon verlor man einen weiteren Rotationsspieler der letzten Saison an die Atlanta Hawks.

 

Status Quo > Risikobereitschaft

Während die Konkurrenz im Westen mächtig aufrüstete und sich vehement der Übermacht aus Golden State entgegen stellen will, setzen die Spurs auf Kontinuität. Dieser Weg stellt grundsätzlich keine Neuigkeit in San Antonio dar. Damit avancierten die Spurs schließlich zur best geführtesten Franchise der letzten 20 Jahre. Doch hat man sich dieses Mal eventuell zu sehr auf das alt bewährte verlassen? Dem Spurs Roster hätte eine Frischzellenkur durchaus gut getan. Via Trade waren die Möglichkeiten allerdings auch sehr beschränkt. Die Bereitschaft, Danny Green und den in den Playoffs enttäuschend performenden LaMarcus Aldridge abzugeben war zwar vorhanden, jedoch blieb das Interesse der Teams aus. Besonders der Wert von Aldridge scheint nach seinen mageren Aufritten in der Postseason an einem Tiefpunkt angelangt zu sein. Der restliche Kader ließ wenig bis keinen Spielraum zu,  um als potenzielle Trade Assets zu dienen.  Angesichts dieser Situation sind die Spurs wohl erstmals so abhängig von einem einzigen Spieler wie selten zuvor…

 

Coach Pop´s wichtigste Schachfiguren

The Claw: Bereits in der vergangenen Saison leitete Leonard bravourös die Franchise in die Post-Tim Duncan Ära. Der Finals MVP aus dem Jahr 2014 hat endgültig die absolut elitäre Sphäre der Association  erreicht. Der 26-jährige lieferte in der Regular Season 16/17 eine beeindruckende Bewerbung für den MVP Award ab und hätte diesen mehr als nur gerechtfertigt. Anders als seine letztjährigen Kontrahenten, agiert Kawhi Leonard auf beiden Seiten des Courts auf höchstem Niveau. Zudem ist durchaus davon auszugehen, dass der introvertierte Superstar sein Game auch in der neuen Season noch einmal um die eine oder andere Facette erweitern kann. Leonard, der im Draft 2011 von den Indiana Pacers gedraftet und umgehend für George Hill nach San Antonio geschickt wurde, wird als ein absoluter Top Anwärter auf den MVP in die neue Saison gehen. Denn während Westbrook und Harden in Zukunft den Spalding mit Paul George oder Chris Paul teilen dürfen und dementsprechend hochwertige Unterstützung erhalten werden, trägt Leonard die Spurs genau so weit, wie er es der Franchise ermöglicht.

X-Factor: LaMarcus Aldridge. Seit der ehemalige No. 2 Pick das Jersey der Spurs trägt,  wechseln sich Licht und Schatten im Spiel des Power Forwards regelmäßig ab. Als gutes Beispiel diente die vergangene Playoffserie gegen die Houston Rockets. An einem Abend konnte der 32-jährige kaum einen Ryan Anderson erfolgreich aufposten, während er Tage später in Game 6 nicht zu stoppen war und bockstarke 34 Punkte erzielte. Die offensive Dominanz, mit der er in Portland schlafwandlerisch Jumper um Jumper versenkte, ist mittlerweile jedoch so gut wie verschwunden oder tritt nur mehr in vereinzelten Spielen auf – zu wenig, für die Ansprüche des 5-maligen All-Stars. Die Spurs benötigen neben Leonard einen potenten Aldridge, der als Co-Star für Entlastung sorgen soll.

Player to watch: Dejounte Murray. Im letztjährigen Draft an Nummer 29 von den Spurs gepickt, wird auf den 21-jährigen in seinem zweiten Jahr bereits einiges an zusätzlicher Spielzeit und Verantwortung zukommen. Dass er dafür gewappnet ist, bewies der in Washington geborene Murray in der Postseason. Nach der Verletzung von Tony Parker warf Coach Pop seinen Rookie in das kalte Wasser. In der second-round Serie gegen die Rockets startete Murray in Game 3. Im entscheidenden Game 6 gelang ihm ein Double-Double (11 Punkte/10 Rebounds/5 Assists).  Pop wird seinen Sophomore für die neue Saison nun endgültig in die Rotation integrieren, was angesichts der Situation auf der PG-Position auch zwingend notwendig sein wird.

 

Fazit und Ausblick

Bedeutet Stillstand gleich Rückschritt? Im Fall der San Antonio Spurs wohl kaum. Die Verantwortlichen im Front Office hielten im Sommer zwar ihre Augen und Ohren offen, doch schlussendlich entschied man sich nicht „All-in“ zu gehen, sondern den bewährten Weg weiterhin zu vertrauen. Bekanntlich liegen die Spurs selten falsch in ihrem decision-making. So kann man die Inaktivität in dieser Offseason zwar durchaus kritisch sehen, doch auf lange Sicht betrachtet bestand kein zwingender Handlungsbedarf. Möglicherweise schielt man in San Antonio bereits auf die nächsten beiden Sommer, in denen Verträge (Parker, Aldridge) auslaufen und dann Flexibilität sowie Cap Space vorhanden sein werden. Vielleicht liegt dafür gar schon ein Masterplan im Büro des Front Office parat. In der Gegenwart jedoch, haben die Spurs zwei Wochen vor dem Start in die Regular Season mit ungewohnt vielen Fragezeichen zu kämpfen. Kawhi Leonard verpasst aufgrund einer Fußverletzung die gesamte Preseason und wird zu Beginn demnach nicht bei 100 % stehen. Mit einem Comeback von Tony Parker ist aller frühestens im November zu rechnen, während man bei Rudy Gay wohl auch erst langsam damit beginnen wird, ihn nach der schweren Achillessehnen Verletzung wieder an die Belastungen des NBA Alltags heran zu führen. Demnach könnte der Motor anfangs mehr stottern als man es von der gut geölten Maschine in der Vergangenheit gewohnt war. Doch obwohl die Kontrahenten die Messer gewetzt haben, ist eines auf diesem Planeten so sicher wie wie das Amen im Gebet – eine 50 Win Season der San Antonio Spurs…

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2 Monaten ago
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