NBA Saison 2017/2018 Vorschau – New York Knicks

Stellt euch dieses Szenario in Deutschland vor:

Boris Becker sitzt im Doppelpass und lässt seinem Unmut mit dem FC Bayern München freien Lauf. Das Ganze endet darin, dass Becker von einem vergangenen Abend in einer Bar berichtet. Im Verlauf des Abends wurde er von mehreren Fans des FC Bayern darauf hingewiesen, dass Uli Hoeneß an einem Tisch am anderen Ende des Etablissements sitzt. Die Fans bitten Becker daraufhin inständig, ob er nicht mit Hoeneß reden und auf ihn einwirken könne um die desaströse Situation bei den Bayern irgendwie zu verbessern. Becker, mit ernster Stimme und ohne einen Anflug von Humor, erläutert daraufhin im Doppelpass seinen, diesem Wortwechsel folgenden, Denkprozess folgender Maßen „Ich habe mir überlegt, dass wenn der Uli mal vor die Tür geht zum Rauchen, oder vielleicht aufs Dach um die Aussicht zu genießen, es ein Leichtes wäre… naja, man bräuchte ja nur einen kleinen Schubs und so…“

Stellt euch jetzt bitte die Gesichter im Doppelpass vor, die Gesichter des Publikums und das folgende Medienecho. Stellt euch weiterhin vor wie schlimm die Bayern dastehen müssten. Wie lange müsste diese Misere schon anhalten? Wie gering die wären Aussicht auf Besserung damit ein prominenter Fan wie Boris Becker so etwas tatsächlich sagen würde? Würde irgendein Fan irgendeiner Mannschaft in irgendeiner Sportart der, nachweislich, alle geistigen Fakultäten beisammen hat, tatsächlich darüber nachdenken, wie man eine Situation nutzen könnte um am effektivsten eine andere Person umzubringen? Gibt’s nicht? Habt ihr schon mal etwas von den New York Knickerbockern gehört?

 

Knicks Fan mit Mordfantasien

 

An dieser Stelle verlassen wir vorerst den Bereich des Hypothetischen und betreten die Realität. Genau dieses Szenario, in leicht abgeänderter Form, konnten interessierte Zuhörer am 25.04.2017 im Vertical Podcast von Chris Mannix vernehmen. Der Gast? Michael Rapaport. Bekannt wie ein bunter Hund aus mehreren Filmen und natürlich als eines der prominentesten Gesichter der New York „Edelfans“, wobei edel hier nicht heißen soll Kaviar, Champagner und Logen, sondern bekannte Fans die seit sie laufen konnten den Garden besuchen und gleichzeitig auf Grund ihrer, wie auch immer gearteten, Arbeit, im meistens künstlerischen Bereich, zum absoluten Inventar in New York gehören. Rapaport könnte auf Grund seiner bekannten Filmrollen und seiner häufigen Auftritte bei ESPN, sowie seinem eigenen, sehr erfolgreichen, Podcast durchaus auf einer ähnlichen Stufe wie Spike Lee angesiedelt werden hinsichtlich seines Kultstatus als Knicks Fan. Rapaport sinnierte im Podcast mit Mannix darüber wie er James Dolan an besagtem Abend, an dem beide zufällig dasselbe Etablissement frequentierten, hätte umbringen können. Die Fantasie ging so weit, dass er ernsthaft ins Grübeln kam auf Grund der Möglichkeit, dass er Erstens einen potentiellen Knicks Fan als Staatsanwalt und Richter haben könnte und daher höchstwahrscheinlich eine milde Strafe zu erwarten hätte und Zweitens damit für alle New Yorker zu einer Legende werden würde. Ich möchte hier anmerken, dass Rapaport diesen Schilderungen ganz voran eine Erklärung stellte, dass er diese oder ähnliche Gedankengänge die gegen James Dolan gerichtet sind und waren nie in die Tat umsetzen würde.

Wie schlimm muss es um ein Team stehen, wie gering oder vielleicht sogar non-existent muss die Hoffnung auf Besserung sein, wie lang muss die Dauer des Leidens sein, dass es produktiver oder vielleicht einfach angenehmer scheint sich in Mordfantasien zu stürzen als darauf zu hoffen, dass Zufall oder Schicksal Besserung bescheren? Diese Frage ist schwer zu beantworten. Es hat vielleicht eher etwas damit zu tun, dass die Knick Fans vor Allem Basketballfans sind und sich lange damit abgefunden haben, dass sie wahrscheinlich in ihrer Lebenszeit keinen Titel mehr gewinnen werden. Die Meisten wären mittlerweile damit zufrieden vernünftigen Basketball zu sehen oder irgend etwas das entfernt daran erinnert. New York als Basketballstadt hat eine weitere Eigenheit die den Fans so oft das Genick bricht: Hoffnung. Seit 45 Jahren hoffen die Fans und schließen jeden ins Herz der ihnen diese Hoffnung verspricht nur um wieder und wieder enttäuscht zu werden. Die Reaktion ist ein über die Jahre immer stärker werdender Hass oder eine Abneigung gegen Figuren die, aus welchen Gründen auch immer, diese Hoffnung genährt haben und die Fans anschließend enttäuscht haben. Ob es Pat Ewing war, der bis heute in New York den Ruf eines Losers hat oder Isiah Thomas, der den wohl unansehnlichsten Basketball vor der Phil Jackson Ära spielen ließ, sich eine Zivilklage wegen sexueller Belästigung einfing und Problemspieler wie Eddy Curry mit Millionen schweren und langfristigen Verträgen austattete.

Geändert hat das Alles nichts, weder daran wen Dolan einstellt, noch wie das Team funktioniert oder er mit den Fans umgeht. Im Februar 2015 antwortete er einem 72jährigen lebenslangen Knick Fan, der seinen Führungsstil kritisiert hatte, auf dessen Brief mit dem Ratschlag doch die Nets anzufeuern, weil die Knicks ihn nicht wollen und bezeichnete ihn als „sad person“ und „alcoholic maybe“. Lustiger Weise dieselben Vorwürfe die er später Charles Oakley machen sollte, nachdem er diesen, an Händen und Füßen aus dem Garden hatte zerren lassen, in einer Szene die an die Zeit des Civil Rights Movements in den frühen 60er Jahren erinnerte. Wenigstens mussten die Cavs Ted Stepien, Stepien Rule Stepien, nur viereinhalb Jahre ertragen. All das geschah während die Knicks Legende Phil Jackson President of Basketball Operations war und es momentan noch ist und sich dazu ausschwieg und teilweise bei seinen Visiten im Garden wirkte als ob er ein Nickerchen halte.

 

Phil Jackson, die lebende Legende?

 

Phil Jackson, noch so ein Hoffnungsträger. Elf Jahre Spieler im Garden für die Knicks. Zweifacher Meister in 1970 und 1972 unter Red Holzman, dem wohl legendärsten Coach der Knicks, in einer Mannschaft die wie keine zweite bis heute für Teambasketball und schönen Basketball steht und stand. An der Seite von Walt „Clyde“ Frazier, Dave DeBusschere, Willis Reed und Earl „The Pearl“ Monroe. So gut und so schön, dass sie sogar in Kurtis Blows Hit „Basketball“ Erwähnung fanden. Phil Jackson, der Mann der Jordan, Pippen, Kobe und Shaq zu Champions machte. Der Mann der drei Hände bräuchte für all seine Ringe. Mehr Ringe als Bill Russell. Phil Jackson, die größte Katastrophe die es jemals als GM gab.

Dieser Ausblick auf die Knicks ist effektiv ein Ausblick auf Phil Jackson als President of Basketball Operations und damit acting GM. Seine Entscheidungen und Handlungen werden für mindestens eine Saison, wenn nicht noch länger, die Geschicke der Knicks beeinflussen. Die Frage ist: Hat das Team unter ihm überhaupt einen Ausblick?

Seit nun mehr drei Jahren versucht Phil verzweifelt seine vollkommen antiquierte Triangle Offense zu installieren. Warum? So wirklich können das nicht einmal die Basketball Experten beantworten. Viele vermuten es ist eine Art Egotrip, dass die Jahre nach und nach seine Leistung und sein System haben verblassen lassen während die Leistung und das Talent von Jordan, Pippen, Kobe und Shaq immer mehr in den Vordergrund traten. Er fühlt sich marginalisiert und der Zauber der Triangle ist verblasst, besonders, wenn man sich seine Teams unter Analytics Standpunkten anschaut. War es wirklich seine Leistung, sein System? New York ist eine Möglichkeit das zu beweisen, zumindest seiner Meinung nach.

Seine erste Amtshandlung nach Antritt im März 2014 war Mike Woodsen und dessen gesamtes Trainerteam zu entlassen, weil dieser sich geweigert hatte sich von Phil vorschreiben zu lassen, wie er das Team zu coachen hätte und welches System, die Triangle, er zu implementieren hätte. Damit entließ er den einzigen Coach seit 2001 der nicht nur einen winning Record während seiner Zeit als Coach der Knicks hatte, sondern auch den einzigen Coach der seit 2001 der eine Playoff Runde gewinnen konnte. Fun Fact: Seit 2001 haben die Knicks genauso viele Playoff Runden gewonnen wie die Seattle SuperSonics und die gibt es seit 2008 nicht mehr.

Danach folgten Derek Fisher, Kurt Rambis, ein Jackson Protegé, und Jeff Hornacek, den er mittlerweile so entmannt hat, dass laut Insidern Niemand im Locker Room auch nur das kleinste Bisschen Respekt für ihn hat. Das ist nicht wirklich verwunderlich, wenn man seinem Coach quasi einen Undercover Agenten in der Person von Kurt Rambis zur Seite stellt, der sicherstellt, dass Jeff Hornacek nicht aus der Reihe tanzt. Das Ergebnis? 80 Siege, 166 Niederlagen, 0 Playoff Games. Ganz nebenbei hat Phil Jackson damit auch dafür gesorgt, dass zwei potentiell brauchbare NBA Coaches nie wieder einen Job auf diesem Level erhalten werden. DFish mag sich auf gewisse Weise selber verbrannt haben, indem er Matt Barnes die Frau ausgespannt hat, Jeff Hornacek ist schlicht und ergreifend als Trainer und Mann kastriert wurden und wird höchstwahrscheinlich nächste Saison als Coach nicht überleben.

All das, Dolan, Oakley, Rambis und Hornacek, bevor ich auch nur mit einer Silbe Carmelo Anthony, Derek Rose, Joakim Noah oder Kristaps Porzingis erwähnt habe.

 

Das Rose Trade Desaster

 

Eine der fragwürdigsten Entscheidungen die Phil Jackson seit seinem Amtsantritt getroffen hat war ohne Zweifel der Derrick Rose Trade. Wenn man sich den Trade Value anschaut, José Calderon, Jerian Grant und Robin Lopez, für Derrick Rose, Justin Holiday und einen Second Round Pick für den 2017er Draft, könnte man denken, dass New York den Trade gewonnen hat. In dieser Betrachtung fällt dann aber unter den Tisch, dass Derrick Rose als Spieler mittlerweile auf dem toxischen Level von Rajon Rondo angekommen ist. Rose ist verletzungsanfällig und hat seit 2011 nur insgesamt 230 von 492 möglichen regular Season Games bestritten. Nachdem die Chicago Bull vier lange Jahre auf eine halbwegs verletzungsfreie Saison warteten, hatte Rose nichts Besseres zu tun als in der Offseason 2015 zu verkünden, dass er schon über einen Max Contract nachdenkt, obwohl er noch zwei Jahre Vertrag hatte.

Rose ist ein Spieler dessen Spielstil nicht mehr in die NBA passt. Sein Wurf von der Drei ist nicht existent, seine Defense ist mit Ach und Krach am Rand des League Averages in einer Ära die so von Guards dominiert wird wie nie zuvor und in der die meisten Point Guards und oder Shooting Guards sich in jedem Spiel mit einem Gegenspieler befassen müssen der ihnen zwanzig bis dreißig Punkte einschenken kann. Sein Passing Game ist AWOL seit seinen Verletzungen. Im Schnitt etwas über vier Assists in der Ära des Ball Movement, der Motion/Flow Offenses und des Team Basketball in der selbst ein egozentrischer Ballhog wie Russel Westbrook 10 Assists averagen kann und der beste Spieler der Welt, Lebron James, seine Assists wie einen Orden auf der Brust trägt. Vier Assists in einem System wie der Triangle, die, theoretisch, von Ball Movement und Pässen lebt und davon den Ball an die Person zu geben, die den Wurf mit der höchsten Wahrscheinlichkeit hat. Steinzeit Basketball könnte man es auch nennen. All das war schon in den letzten drei Jahren bei den Bulls sichtbar. All das obwohl die Triangle effektiv den Point Guard als Position mehr oder minder wenig schätzt und unnötig macht, zumindest in der Theorie. Was diesem Spieler letztendlich den absoluten Stempel aufgedrückt hat war sein unentschuldigtes Fehlen im Spiel gegen die Pelicans am 9. Januar 2017. Der höchstbezahlte Spieler des Teams nach Melo verkrümelt sich, ohne dem Team auch nur ein Wort zu sagen, in einer Phase in der die Mannschaft gegen eine riesige Niederlagenserie und Grabenkämpfe innerhalb der eigenen Organisation anzukämpfen versucht. Phil Jacksons Reaktion darauf? Nichts.

Die zweite absolute desaströse Entscheidung in der letztjährigen Offseason war es der Leiche von Joakim Noah einen Vierjahresvertrag mit einem Gesamtvolumen von fast 73 Mio. Dollar zu geben. 73 Mio. Dollar für einen Spieler, der bereits letzte Saison und die Saison davor aussah wie eine Hobbyligaversion seiner selbst wirkte. 73 Mio. für einen 31-jährigen Spieler der in seiner gesamten Karriere nicht eine einzige volle, verletzungsfreie Saison hatte und in neun Jahren 572 von 738 möglichen Spielen absolviert hat. Ich nehme stark an, dass Phil Jackson ein Weinliebhaber ist, oder ein Liebhaber kräftiger französischer Weichkäsesorten, anders kann ich mir nicht erklären, wie man annehmen kann, dass ein Spieler der mit 24 nicht verletzungsfrei war, definitiv nicht in die Sportinvalidität rutscht bevor er 35 Jahre alt wird. Was wiederum den Kreis zur Frage schließt wer den Derrick Rose Trade gewonnen hat. Chicago hat eine jüngere Version von Noah mit kürzerer Verletzungshistorie, preiswerterem Vertrag und besserem Trade Value erhalten, ist mit Rose einen toxischen und antiquierten Spieler losgeworden, der dem eigentlichen Franchise Star Jimmy Butler langsam aber sicher den Willen zum Leben ausgetrieben hat, und hat über 20 Mio. Dollar im Cap Space geöffnet und die Playoffs erreicht. Ich würde sagen Advantage Chicago, um hier mal Noahs Vater eine Referenz zukommen zu lassen.

 

Der Fall Melo

 

Phil Jackson hat also gezeigt wie man Coaches entmannt, seine Teamchemie und das eigene Spielkonzept versaut, Trades verliert, den Cap Space auf Jahre einbetoniert und Sportinvaliden würdig in den Ruhestand verabschiedet. Die Krönung des Ganzen fehlt aber noch. Wie zerstöre ich das letzte bisschen Trade Value, dass mein einstiger Franchise Star noch besitzt?

Man kann von Carmelo halten was man will, ich halte nicht sonderlich viel von dem was er auf dem Parkett zeigt, aber das Exempel das an ihm statuiert wird ist unter aller Sau. Unter seiner Würde, unter der Würde der Knicks als Organisation, unter der Würde von Phil Jackson, unter der Würde von New York als Basketball Mekka. Carmelo als Spieler scheidet die Geister. Carmelo als Persönlichkeit ist ein ähnlich schwieriges Thema. Carmelos klares Signal an New York im Jahr 2010 war „Ich will nach New York, ich komme definitiv nach New York in der Free Agency.“ Nachdem die, zu dem Zeitpunkt seit 10 Jahren unterirdisch spielenden, Knicks dieses Signal erhielten konnte sie es nicht erwarten Carmelo zu holen. Statt auf Free Agency zu warten, wurde versucht ein Trade einzufädeln. Als dieser auf Grund der massiven Forderungen der Nuggets nicht zu Stande kam, erpresste Carmelo beide Teams mehr oder minder.

Wollten die Nuggets etwas für ihn dann mussten sie ihm einen Max Contract anbieten, sonst würde er New York sagen, dass sie auf die Free Agency warten sollen, wollten die Knicks ihn haben müssten sie für ihn traden, weil er nicht bereit war mehrere Millionen in Free Agency liegen zu lassen, ein finanzieller Verlust der dadurch zu Stande gekommen wäre, dass Carmelo seine Bird Rights verloren hätte. Beide Teams nickten dieses Arrangement ab und so wanderten ein 24-jähriger Rookie Timofey Mozgov, ein 26-jähriger 17 PTS, 9 AST per Game Point Guard Raymond Felton, ein 23-jähriger 16 PTS, 6 REB per Game Small Forward Wilson Chandler, ein 22-jähriger 16 PTS, 5 REB per Game Small Forward Danilo Gallinari, New Yorks unprotected First Round Pick 2014 und zwei Second Rounds Picks für 2012 und 2013 nach Denver. Kein Scheiss, New York gab damals zwei potentielle Allstars unter 24, und Prime Raymond Felton sowie drei Picks für Carmelo Anthony ab. Effektiv war Carmelo dafür verantwortlich, dass die Knicks nicht nur das Tafelsilber verschärbelten, sondern gleich das ganze Haus.

Das ist eine ganze Weile her und man muss Carmelo auch Dinge zu Gute halten die er geleistet. Er hat nie einen Zweifel daran gelassen, dass er für die Knicks und in New York spielen will. Er hat sich nie davor gedrückt der Franchise Player der Mannschaft zu sein, hat sie in die Playoffs geführt, er ist einer der aktivsten Spieler der Liga im Bereich Community Service und hat sehr viel Zeit und Geld in junge Menschen investiert die in schwierigen und oftmals unvorstellbar armen Verhältnissen leben müssen. Insofern kann man ihm sicherlich einiges vorhalten, aber er hat es nicht verdient so behandelt zu werden.

Effektiv startete die ganze Affäre bereits im Juli 2014 als Jackson, im fünften Monat seiner Amtszeit, Carmelo einen Fünfjahresvertrag über 125 Mio. Dollar und einer No-Trade-Clause anbot, nachdem Melo von Houston, Chicago, Dallas und den Lakers Max Offers präsentiert bekam. Ja, Phil Jackson ist direkt für seine eigene Misere mit Carmelo verantwortlich. Nachdem Phil nach zwei Jahren endlich begriffen hatte, dass man mit Carmelo als einziges Centerpiece in der Triangle nicht gewinnen kann, versuchte er ihn bereits in der Offseason 2016 irgendwo anders unterzubringen. Wäre da nicht Carmelos No-Trade-Clause.

Was daraufhin folgte ist ein einziges Possenspiel. Im Dezember 2016 demontierte er ihn auf CBS Sports, einer seiner wenigen Medienauftritte diese Saison. Im Januar 2017 schlug George Karls Buch ein wie eine Bombe. Einer der Spieler im Kreuzfeuer war Melo, was den Phil Jackson Croney Charley Rosen dazu veranlasste Carmelo in seinem Blog Artikel zu zerlegen. Insider wussten damals bereits zu berichten, dass der Artikel höchstwahrscheinlich von Jackson selbst angeleiert worden war. Im Februar 2017 nahm sich Bleacher Reports Kevin Ding dem Thema an was Jackson zu seinem „Leoparden“ Tweet veranlasste. Im April folgte dann der bisherige Endpunkt der Saga. Sieben Monate nach seiner letzten offiziellen Pressekonferenz, nachdem sowohl Derrick Rose Absenz, Joakim Noahs Doping, Kristaps Porzingis Tiraden gegen die Organisation und Charles Oakleys „Entfernung“ aus dem MSG ohne auch nur einen Tweet von Jackson vor sich gegangen waren, saß Jackson, in seiner offiziellen Kapazität als Knicks President of Basketball Operations, vor der versammelten Presse und verkündete „We have not been able to win with him on the court at this time, and I think the direction with our team is that he is a player that will be better off somewhere else and using his talents somewhere where he can win or chase that championship.“ Nachdem Phil Jackson sieben Monate hart daran gearbeitet hatte Carmelos Trade Value vollends zu zerstören gelang ihm dies letztendlich in einem Satz.

 

Das letzte Einhorn

 

In der selben Pressekonferenz bewies Jackson wie fern er jeglicher Basketball Realität ist. Gefragt nach der Entwicklung des einzigen potentiellen Allstarkaliber Spielers unter 26 Jahren im Knicks Team, Kristaps Porzingis, gab er zu Protokoll, dass er besonders stolz auf ein Spiel war in dem dieser keinen einzigen Dreier Versuch hatte, dass sei gut, weil Dreier „just a cheap way to score points or you get anxious to score points“ wären. Jackson lies das über einen der vielleicht begabtesten Shooting Bigs/Stretch Four/Five Spieler den die Liga in den letzten Jahren gesehen hat verlauten. Einen potentiellen Dirk Nowitzki Erben in einer Ära des Basketballs in der Floor Spacing eine der wichtigsten Prioritäten ist und traditionelle Big Man eher eine marginale Rolle spielen. Porzingis ist das Centerpiece dieser Mannschaft und jeder halbwegs informierte Basketballfan kann Phil erklären, wieso es von Vorteil ist einen 7‘3 großen Power Forward/Center zu haben der schon durch seine schiere Größe einen fast nicht zu blockenden Dreierwurf besitzt. Auf Grund dieser Körpergröße und seiner Spannweite allein geling es ihm Separation selbst gegen die meisten Seven Footers zu erreichen. Von seinen fast fünf Versuchen pro Spiel trifft er etwa 35% und das mit 21 Jahren, vergleichbar mit Dirk im selben Alter.

Aber natürlich macht es Sinn einen solchen Spieler eines seiner besten offensiven Werkzeuge zu berauben, da die äußerst effektive und moderne Triangle Offense Dreier ja absolut unnötig macht. Das zeigt schon der Misserfolg der Cavs, Rockets, Warriors und Celtics über die letzten Jahre. Vier Teams die sich im diesjährigen Draft um die ersten drei Plätze streiten werden und deren Spieler besser in der D-League aufgehoben wären. Es ist ja Allgemeinwissen, dass Steph Curry, Klay Thompson, James Harden, Lebron James, Kyrie Irving, Kevin Love, Isaiah Thomas, Avery Bradley und Al Horford als größte Draft Busts der Geschichte gelten.

Das ein 21-jähriger Spieler einer Legende wie Phil Jackson effektiv den Finger zeigt und sein Exit-Meeting auslässt, ein Schritt, den viele angefressene Superstars nicht wagen, sagt eigentlich Alles was man über diese Organisation nach zwanzig Jahren James Dolan und drei Jahren Phil Jackson wissen muss. Wenn dreizehn Ringe nicht genug Rosenduft versprühen um den Gestank der eigenen Ignoranz hinsichtlich modernem Basketball und Inkompetenz im Bereich Management und Personal Relations zu übertünchen, dann sollte man genug Einsicht haben selbst die Reißleine zu ziehen. Dann würde man ja aber auf 24 Mio. Dollar verzichten und das passt so gar nicht in Phils Weltbild.

 

Sind die Knicks noch zu retten?

 

Was kann man also als Saisonausblick für die Knicks in der Saison 2017/2018 sagen? Positiv ist, dass Derrick Rose Vertrag ausläuft und hoffentlich nicht verlängert wird. Er hätte Bird Rights und ist immer noch unter der Illusion ein Max Contract Player zu sein. Es wäre absoluter Suizid ihm solch einen Vertrag zu unterbreiten. Wir reden von fünf Jahren für 150 Mio. Dollar. Sasha Vujacic, Ron Baker, Justin Holiday und Chasson Randle haben auslaufende Verträge. Ich wüsste ehrlich gesagt nicht wen man davon behalten sollte. Keiner der Spieler hat mehr gezeigt als Minimum Contract Value. Baker und Randle sind zumindest erst 24 Jahre alt insofern wäre es zumindest einen Versuch wert sie zu entwickeln. Justin Holiday ist ein halbwegs brauchbarer Shooting Guard Backup, aber die Frage ist eher ob man in der D-League nicht einen jüngeren Backup Guard findet anstatt diesen Spot in der Rotation mit einem 28-jährigen zu besetzen der weder Trade Value besitzt noch sonderlich viel Upside. Courtney Lee hatte eines seiner besten Jahre, nicht dass das viel heißt bei einem Spieler der in acht Jahren in der Liga einen Career Average von 9.8 PTS 2.8 REB und 1.7 AST hat, und trotzdem bezweifle ich stark, dass der Trade Value respektive das generelle Interesse für einen Spieler dieser „Güteklasse“ mit einem Vierjahresvertrag im Wert von 47 Mio. Dollar sonderlich hoch sein wird.

Selbst gestreckt wäre der Noah Vertrag ein absoluter Cap Burner. Noah hat 55.590.000 Dollar garantiert über die nächsten drei Jahre. Per Stretch Provision im NBA CBA könnte man ihn zwischen dem 1. Juli und dem 31. August waiven und würde damit die verbleibende Summe über die doppelte Länge des verbleibenden Vertrags plus ein Jahr strecken. In Noahs Fall also sieben Jahre für etwa 7.9 Mio. Dollar pro Jahr. Das ist mit Sicherheit ein Hit in Hinsicht auf den Cap Space, aber ein geringerer als fast 20 Mio. Dollar im Jahr. Sollte man Melo irgendwo unterbringen können, sagen wir bei den Clippers, würde das bedeuten, dass man 80 Mio. in Cap Space hat, mit denen man intelligent schlechte Verträge aufsaugen und weitere Assets sammeln könnte.

Die Knicks kontrollieren alle ihrer First Round Picks über die nächsten Jahre. Sie haben mit Kristaps einen möglichen Building Block für die Zukunft und mit Willy Hernangomez einen brauchbaren jungen Center mit möglicher Dreierreichweite. Sie hätten die Möglichkeit die Lakers von Verträgen wie Deng und oder Mozgov zu erlösen, die Blazers von Meyers Leonard oder Allen Crabbe oder ähnlich schlechte Verträge anzunehmen und dafür Picks oder junge Spieler mit Potential anzusammeln. Langfristig hätte das Team so die Möglichkeit, Gesetz dem Fall sie draften einen weiteren brauchbaren Spieler an Nummer Sieben dieses Jahr, in etwa 3-4 Jahren einen wirklichen Contender auf die Beine zu stellen ohne jemals wirklich zu tanken. Die Verträge der überteuerten Veteranen, die aber zumindest noch gesund sind, potentiell spielen können und wenn man auf die richtigen Charaktere achtet vielleicht auch die jungen Spieler führen könnten, laufen in maximal drei Jahren aus. Porzingis wäre 24, Hernangomez ebenfalls, der diesjährige Pick wäre zwischen 22 und 24 Jahre alt und selbst mit Max Contracts für die beiden Erstgenannten hätte New York vermutlich bis zu 70 Mio. Dollar in Cap Space, genug für zwei weitere Allstars oder einen weiteren Allstar und eine tiefe Bank plus weitere 2-4 potentielle junge Rotation Pieces.

 

Nein

 

Das Alles ist hypothetisch und wird nicht geschehen. Phil Jackson bleibt für die nächsten zwei Jahre. Man kann Dolan viel vorwerfen, aber nicht, dass er nicht an Leuten wie Phil oder Zeke festhält, selbst wenn sie schon zum Himmel stinken. Phil wird bleiben, vielleicht sogar selbst coachen. Das Team wird implodieren. Es gibt bereits Anfragen für Porzingis und noch eine weitere Saison in diesem toxischen Umfeld wäre für ihn als Spieler und seine Entwicklung pures Gift. Sein Management und er selbst werden zur Not einen Trade einfordern. So lange Phil in New York ist wird auch kein Free Agent seine Tür einrennen, es sei denn er ist 32 Jahre alt und braucht einen langfristigen Rentenvertrag für 20 Mio. pro Jahr. Jeder halbwegs bekannte Spieler der Liga hat sich klar in Carmelos Camp positioniert. Diese Episode, genau wie Phils, fast schon rassistische, verbale Entgleisung gegenüber Lebron James wird im Gedächtnis bleiben.

Genau wie die Bilder eines geliebten ehemaligen Spielers, als dieser schreiend und kämpfend an Armen und Beinen aus dem MSG gezerrt wurde. Charles Oakleys Behandlung war ein bitterer Throwback zu den Tagen der Gewalt gegen die Civil Rights Aktivisten. Ein schwarzer Mann der es gewagt hatte seinen reichen, weißen Ex-Boss zu kritisieren wird an Händen und Füßen aus der Arena gezerrt, zu der er Eintritt gezahlt hatte, weil er als unerwünschte Person als einer der wenigen ehemaligen bekannten Spieler einer Franchise keinen freien Eintritt erhält. Während eines Spiels in einer Liga die zu 74% von schwarzen Athleten bestimmt wird, deren Vorsitzender der Spielergewerkschaft eine weitere POC ist, der jahrelang für einen Rassisten spielen musste, und die seit Jahrzehnten die afroamerikanische Kultur beeinflusst, in einer Stadt die das Mekka des Basketballs ist. Dieses Stigma wird bleiben. Genau wie das Stigma des reichen, weißen Mannes der wie ein Plantagenbesitzer aus grauer Vorzeit versucht den „uppity negro“ Carmelo in seine Schranken zu verweisen, seinen Ruf zu zerstören und ihn öffentlich zu entwürdigen.

Die Knicks als Team und Organisation sind eine absolute Tragödie und eine unwürdige Narbe in der Basketballlandschaft der NBA. Donald Sterling war schlimm, was James Dolan und Phil Jackson in New York aufführen steht dem in Nichts nach. Wenn dieser Teamausblick für euch zu düster sein sollte, zu moralisch oder zu wenig auf den Ausblick fokussiert, dann fragt euch warum. Die Knicks haben keine Zukunft so wie sie sind. Es gibt keinen Ausblick für eine Organisation die so absolut unfähig ist, so rassistisch, so frauenfeindlich und so vollkommen aus der Zeit gefallen ist.

Ich kann jedem New York Knicks Fan nur mein Beileid aussprechen. Das habt ihr nicht verdient, das hat Basketball nicht verdient. Dieses Team ist ein Desaster und ich kann Michael Rapaport voll und ganz verstehen, denn für diese Organisation darf es keine Zukunft in der NBA geben.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.